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Resolution: Europäischer Hochschulraum

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Philosophischer Fakultätentag
Plenarversammlung Trier 04.07.-06.07.2002

Der Philosophische Fakultätentag als Vertretung der geistes- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen unterstützt den Prozess, der zur Bildung und Vertiefung eines Europäischen Hochschulraums führen wird und der in den Erklärungen von Bologna und Prag Konturen angenommen hat.

In seiner Resolution zu den ›neuen Studiengängen‹ (Plenarversammlung Karlsruhe 1999) hat der Philosophische Fakultätentag auf wichtige Rahmenbedingungen hingewiesen, die bei der Konzeption und Einführung gestufter Studiengänge zu beachten sind. Es kommt darauf an, von einer oberflächlichen kosmetischen Operation, wie sie vielerorts stattzufinden scheint, zu einer vertieften Integration unter Respektierung der ausdifferenzierten Fächerkulturen und nationalen Besonderheiten zu kommen und die nationalen Strukturen der Hochschulorganisation zu verändern. Es genügt nicht, (1) mit dem ECTS eine Transferwährung zu schaffen, (2) gestufte Studiengänge flächendeckend einzuführen, (3) Englisch (oder was man dafür hält) als universitäre Referenzsprache zu propagieren und dabei im Grunde nicht an Europa, sondern an das amerikanische Universitätssystem (oder was man dafür hält) zu denken. Die Vertiefung der Bildungskooperation innerhalb der Europäischen Union setzt inhaltliche Debatten voraus.

  1. Für das ECTS-Umrechnungssystem ist es weder den Universitäten noch den Fakultätentagen oder Fachverbänden gelungen, auch nur annähernd vergleichbare Modelle zu entwickeln oder gar durchzusetzen. In der Realität wird in diesem Bereich das europäische Chaos immer größer. Unverkennbar wird eine zu formale Vorgabe gänzlich willkürlich und diffus in den einzelnen Fächerkulturen umgesetzt, weil es keine vorangehende inhaltliche Debatte auf der europäischen und auf den nationalen Ebenen gegeben hat.

  2. Vergleichbares gilt für die gemeinsame Einführung gestufter Studiengänge in Europa. Sie hat bekanntlich in vielen Disziplinen Fortschritte gemacht, wozu nicht zuletzt die Geistes- und Kulturwissenschaften gehören. Die Vergleichbarkeit europäischer Hochschulabschlüsse setzt nicht nur eine Verständigung über Nomenklaturen, sondern vor allem eine Debatte über Inhalte voraus.

  3. Die Reduktion der europäischen Vielfalt auf ein vermeintlich angelsächsisches Weltbild ist in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften ebenso absurd wie unsinnig. Wenn der Europäische Hochschulraum mit der Reduktion des sprachlichen und fachsprachlichen Reichtums seiner Universitätstraditionen beginnt, wird er auch im internationalen Wettbewerb keinen Erfolg haben, vielmehr den durchaus konkurrenzfähigen Reichtum europäischer Hochschultraditionen irreparabel beschädigen.

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