Resolution: Deutsch
als Wissenschaftssprache
diese Resolution
als -Datei
(45 KB) | weitere Beschlüsse
Philosophischer Fakultätentag
Plenarversammlung Dresden 29.11.-01.12.2001
Der Philosophische Fakultätentag tritt für die aktive
Pflege des Deutschen als Fremdsprache und für die Erhaltung
des Deutschen als Wissenschaftssprache im eigenen Lande ein. Dabei
knüpft er u.a. an die Tutzinger Thesen zur Sprachpolitik
in Europa des Deutschen Germanistenverbandes vom Jahre 1999
an. Er empfiehlt vor allem eine Förderung rezeptiver Mehrsprachigkeit,
die das Hör- und Leseverständnis mehrerer europäischer
Sprachen umfasst. So lassen sich am besten die unterschiedlichen
Sprachkulturen in Europa in gegenseitiger Achtung bewahren und entwickeln.
Ihrer Verdrängung durch ein schlecht beherrschtes Englisch
als europäische Hilfssprache muss Einhalt geboten werden.
Im Rahmen dieses sprachpolitischen Konzepts gibt der Philosophische
Fakultätentag folgende Empfehlung zur Pflege des Deutschen
als Wissenschaftssprache ab:
- Das Deutsche ist grundsätzlich die Sprache von Forschung
und Lehre an den deutschen Hochschulen. Ausländische Studierende
sollten intensive Sprachförderung erhalten, damit sie aktiv
an der wissenschaftlichen Kommunikation teilnehmen können.
Dies sollte insbesondere ein Teil der Förderung des DAAD
sein.
- Hochschullehrer mit primärsprachiger Kompetenz des Englischen
sollten auch Lehrveranstaltungen auf Englisch abhalten, um den
Studierenden die englische Wissenschaftssprache in dem betreffenden
Fach zu vermitteln und ihre rezeptive Kompetenz des Englischen
zu verbessern.
- In den philologischen Fremdsprachenfächern, z.B. der Anglistik,
Slawistik und Romanistik sollen regelmäßig Lehrveranstaltungen
auch in den betreffenden Fremdsprachen abgehalten werden.
- Die generelle Einführung des Englischen als einzige oder
als Hauptunterrichtssprache einzelner Fächer lehnt der Philosophische
Fakultätentag entschieden ab. Dies würde dazu führen,
dass die Studierenden an deutschen Hochschulen der deutschen Wissenschaftssprache
entfremdet werden und dass die betreffenden deutschen Fachsprachen
nach und nach obsolet würden.
- Abschlussarbeiten und Dissertationen sollten weiterhin in der
Regel in deutscher Sprache abgefasst werden. Dies dient der Bewertbarkeit
und der Erhaltung und Weiterentwicklung deutscher Fachsprachen.
Themen der eigenen kulturellen Tradition können am besten
in der eigenen Sprache dargestellt werden. Es ist unbedingt zu
vermeiden, dass wissenschaftliche Abhandlungen wegen eingeschränkter
Sprachbeherrschung der Verfasser in miserablem Englisch abgefasst
und so verbreitet werden. Publikationen solcher Art werden zu
Recht vielerorts als lächerlich bewertet.
- Der Philosophische Fakultätentag hält es für
selbstverständlich, dass Forschungsanträge gegenüber
Stiftungen, die mit öffentlichen Mitteln aus Deutschland
gefördert werden, in deutscher Sprache gestellt und in deutscher
Sprache begutachtet werden können. Eine Bundesregierung,
die sich für den Erhalt des Deutschen als Arbeitssprache
in den Gremien der Europäischen Union einsetzt, sollte zuallererst
für die Erhaltung des Deutschen im eigenen Lande sorgen.
- Der Philosophische Fakultätentag richtet an seine Mitglieder
die nachdrückliche Bitte, bei der Einführung neuer Studiengänge
oder Prüfungsmodalitäten auf Bezeichnungen der eigenen
akademischen Tradition, z.B. Bakkalaureus statt Bachelor, zurückzugreifen.
- Eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Bewahrung
des Deutschen als Wissenschaftssprache und für den Erwerb
entsprechender rezeptiver Deutschkenntnisse in einer europäischen
Wissenschaftsgemeinschaft ist die Verständlichkeit deutscher
wissenschaftlicher Texte. Nur gutes Deutsch ist auch nichtdeutschen
Lesern leicht zugänglich. Die Neigung zum Jargon und zur
sprachlichen Idiosynkrasie in manchen geisteswissenschaftlichen
Fächern ist der Verbreitung deutscher Texte ausgesprochen
abträglich.
diese Resolution
als -Datei
(45 KB) | weitere Beschlüsse
|