Resolution: Lehrerausbildung
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Philosophischer Fakultätentag
Plenarversammlung Dresden 29.11.-01.12.2001
Mit großer Besorgnis nimmt der Philosophische Fakultätentag
die eben veröffentlichen Empfehlungen des Wissenschaftsrates
zur künftigen Struktur des Lehrerausbildung zur Kenntnis und
befürchtet, dass in einzelnen Bundesländern die wissenschaftliche
Ausbildung von Lehrern und Lehrerinnen ohne vorangehende sachgemäße
und gründliche Diskussion grundlegend umstrukturiert wird.
Wissenschaftliche Lehrerbildung muss Universitätsaufgabe bleiben.
Der von den europäischen Bildungsministern in den Erklärungen
von Bologna und Prag beschlossene europäische Hochschulraum
und die damit verbundene gemeinsame Einführung gestufter Studiengänge
darf nicht unter dem Druck des größer werdenden Lehrermangels
einerseits, der angespannten Haushaltslage andererseits dazu missbraucht
werden, die fachwissenschaftlichen Anteile an der wissenschaftlichen
Lehrerausbildung insgesamt zu reduzieren. Es ist dringend davor
zu warnen, mit Billigstudiengängen Standards über Bord
zu werfen, die im Interesse der Qualitätssicherung unverzichtbar
sind.
Der Philosophische Fakultätentag weist darauf hin, dass die
Reform nicht kostenneutral zu erreichen ist, und bittet Universitäten,
Wissenschaftsminister, Kultusminister und Landtage um die Beachtung
folgender Gesichtspunkte:
- Im Vordergrund aller Reformbemühungen muss die Qualitätssicherung
der Lehrerausbildung stehen. Deshalb ist die Vermittlung umfassenden
und gründlichen Fachwissens an die zukünftigen Lehrer
und Lehrerinnen ebenso unentbehrlich wie die Beibehaltung des
Zusammenhangs von Forschung und Lehre in den ausbildenden Universitätseinrichtungen.
Lehrer und Lehrerinnen müssen die fachlichen Hintergründe
und Zusammenhänge kennen und diese in angemessenem Umfang
auch vermitteln können.
- Dies bleibt richtig, selbst wenn es sich als notwendig oder
sinnvoll erweisen sollte, auch im Bereich der Lehrerausbildung
probeweise oder flächendeckend gestufte Studiengänge
(BA/MA) einzuführen. Gründliches Fachwissen muss ganz
unabhängig vom gewählten Studienmodell oberste Priorität
haben.
- Auch in gestuften Studiengängen müssen deshalb sowohl
in der ersten (Bakkalaureus/Bachelor) als auch in der zweiten
Studienphase (Magister/Master) die fachwissenschaftlichen Studienteile
im Vordergrund stehen. Es wäre verhängnisvoll, wenn
man - wie mancherorts angeregt - die fachwissenschaftlichen Studieneinheiten
nur auf den ersten Studienabschnitt konzentrierte und im zweiten
Studienabschnitt vorwiegend erziehungswissenschaftliche und fachdidaktische
Module vorsähe. Ein fachwissenschaftliches Kurzstudium
bis zum Bakkalaureus würde allenfalls eine Vorstellung
von Fachwissenschaft und ein rudimentäres Wissen ermöglichen,
das in keiner Weise die für künftige Lehrer und Lehrerinnen
notwendige Sachkompetenz und Methodenerfahrung vermittelt.
- Begleitend müssen fachdidaktische und erziehungswissenschaftliche
Studienanteile (Module) in beiden Phasen gestufter
Studiengänge zukünftige Lehrer und Lehrerinnen befähigen,
fachwissenschaftliches Wissen angemessen und erfolgreich zu vermitteln.
Fachdidaktik muss in der Nähe der Fachwissenschaften angesiedelt
sein. Es ist nicht sinnvoll, die Ausbildung dieser Kompetenz auf
nur einen Studienabschnitt zu konzentrieren.
- Ebenso verhängnisvoll wäre es, das nach Schulstufen
und Schularten differenzierte Ausbildungsangebot aufzugeben und
Lehramtsstudiengänge additiv zu konstruieren. Damit würde
die fachwissenschaftliche Kompetenz ebenso wie die erziehungswissenschaftliche
und fachdidaktische Ausrichtung auf die spezifischen Zielgruppen
in unverantwortlicher Weise geopfert.
- Schon deshalb kann das Referendariat nicht in die zweite Studienphase
integriert werden. Es muss als eigene, in die Praxis unmittelbar
einführende Ausbildungsphase voll erhalten bleiben, darf
allerdings auch nicht dazu missbraucht werden, Referendare als
Billiglehrer bereits voll einzusetzen.
- Zur nationalen und internationalen Qualitätssicherung gehört
es, dass weiterhin die gegenseitige Anerkennung von Studienabschlüssen
die wünschenswerte Mobilität der Studierenden und späteren
Lehrer und Lehrerinnen ermöglicht. Umso wichtiger ist es,
dass nicht in einzelnen Bundesländern Sonderwege eingeschlagen
werden.
- Auf möglichst weitgehende Durchlässigkeit zu anderen
Studiengängen ist zu achten.
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