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Pressemitteilung: März 2004

 

Gemeinsame Erklärung der Bildungsverbände zur Lehrerbildung

Aachen/Bonn, 30. März 2004

"International anerkannte Studiengänge erhalten!"
Bildungsverbände warnen vor Qualitätsverlusten im Studium und Gefahr des Niveau-Dumpings in der Lehrerbildung durch flächendeckende Einführung neuer Studien-gänge

Der Allgemeine Fakultätentag (AFT), der Deutsche Philologenverband (DPhV), der Deut-sche Lehrerverband (DL), der Bund Freiheit der Wissenschaft (BFW), die Ver-einigung Schweizerischer Hochschuldozenten (VSH), der Österreichische Universi-tätsprofessorenverband (UPV) und der Deutsche Hochschulverband (DHV) haben gemeinsam vor Risiken gewarnt, die mit dem sogenannten Bolognaprozeß verbun-den sind. Die Verbände befürchten Verluste an wissenschaftlicher Qualität im Zu-sammenhang mit der geplanten flächendeckenden Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen. Besonders gefährdet erscheine die wissenschaftliche Qualität in der Lehrerbildung. Die genannten Verbände haben daher die Bildungspolitiker in Bund und Ländern davor gewarnt, die bewährten und international anerkannten Studiengänge leichtfertig aufs Spiel zu setzen.

Die Kritik bezieht sich dabei nicht generell auf die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen: "Wir begrüßen und unterstützen alle Bemühungen, den Stu-dierenden eine bessere Vergleichbarkeit der Studienabschlüsse, mehr Mobilität so-wie kürzere Studienzeiten zu erlauben", heißt es in einer gemeinsamen Presse-erklärung der sieben Verbände. Wirtschaft und Gesellschaft seien jedoch darauf an-gewiesen, auch in Zukunft wissenschaftlich gut ausgebildete Lehrer, Ärzte, Inge-nieure oder Richter zu erhalten. Auf Un-verständnis stoße daher die Absicht, die in-ternational bewährten Diplom- und Staatsexa-mensstudiengänge überstürzt überall durch BA/MA-Studiengänge ersetzen zu wollen, obwohl bislang kaum Erfahrungen hinsichtlich ihrer Qualität vorlägen.

Die Verbände fordern darüber hinaus, größere Transparenz und bessere Verständ-lichkeit bei der Bezeichnung der neuen Abschlüsse zu schaffen. Sie schlagen deshalb vor, zukünftig unabhängig von der jeweiligen fachlichen Bezeichnung des Abschlus-ses in jedem Fall auch die verleihende Hochschule als Institution sowie den Hoch-schulort zu nennen. Konkret bedeutet dies Bezeichnungen wie beispielsweise "Bachelor (FH Köln)" oder "Master (Uni Bonn)".

Mit Entschiedenheit lehnen die Verbände für die Lehrerbildung eine Studienstruktur nach dem Bachelor-/Master-Modell ab. Das liefe auf ein gewaltiges Niveau-Dumping hinaus. Die Verbände halten in Sachen Lehrerbildung vielmehr an folgenden Fakten und Prinzipien fest: Die bisherigen Strukturen der Lehrerbildung in Deutschland ha-ben sich bewährt, sie gelten international als vorbildlich. Eine der Lehrerbildung ok-troyierte Bachelor-/Master-Gliederung gefährdet das Niveau der Lehrerbildung in Deutschland. Die Lehrerbildung in Deutschland muß auch zukünftig zweiphasig und in der ersten Phase an der Universität angesiedelt sein, ferner in der zweiten Phase einem praxisnahen Referendariat gelten, grundständig auf das angestrebte Lehramt ausgerichtet und insbesondere in den Studiengängen für die Lehrämter an weiter-führenden Schulen fachwissenschaftlich solide fundiert sein.

Professor Dr. Reinhold R. Grimm
Präsident des Allgemeinen Fakultätentages (AFT)

OStD Heinz-Peter Meidinger
Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverbandes (DPhV)

OStD Dr. Winfried Holzapfel

Dr. Hans Joachim Geisler
Vorsitzende des Bundes Freiheit der Wissenschaft (BFW)

OStD Josef Kraus
Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes (DL)

Prof. Dr. Jürg Fröhlich
Präsident der Vereinigung Schweizerischer Hochschuldozenten (VSH)

Prof. Dr. Klaus Wegenast
Generalsekretär der Vereinigung Schweizerischer Hochschuldozenten

Prof. Dr. Wolfgang Zach
Vorsitzende des Österreichischen Universitätsprofessorenverbandes (UPV)

Professor Dr. Hartmut Schiedermair
Präsident des Deutschen Hochschulverbandes (DHV)


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